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Leseprobe zu "Lennards Mondreise"

Mami?“

Lennards kleine Händchen spielten fahrig mit meinen Fingern. Den Blick hielt  er gesenkt, fast als würde er sich schämen. Ich saß auf seiner Bettkante. Es war Schlafenszeit.

„Ja mein Liebling?“, fragte ich vorsichtig.

„Mami bin ich ein Mörder?“, fragte Lennard zaghaft.

„Waaaaas??“, rief ich erschrocken.

Mir wurde etwas schlecht. Wer hatte ihm das gesagt?

„Du bist kein Mörder! Wie kommst du denn darauf?“, fragte ich entrüstet.

„Die Mama von der Lisa hat das zu mir gesagt.“, erklärte mein Sohn.

Seine traurigen, braunen Kulleraugen suchten ängstlich meinen Blickkontakt. Heiße Wut stieg von meinem Bauch aus auf und durchflutete sämtliche Körperteile. Am liebsten wäre ich auf der Stelle zu dieser Frau gerannt und hätte ihr die Hölle heiß gemacht. Wie konnte man solche Worte an ein kleines Kind richten? Was für ein Mensch musste man sein? Hatte sie kein Herz?

Ruhiger als ich mich fühlte sagte ich zu Lennard: „Lisas Mama kennt dich doch gar nicht! Du bist der liebste Junge auf der ganzen Welt. Das weiß sie nur nicht.“

„Aber ich hab‘ doch den Paul tot gemacht!“, entgegnete Lennard mit weinerlicher Stimme.

Mein Herz blutete.

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